Brühler Kunstverein
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INTERIM 15: Mitglieder des Vereins stellen aus

Karin Friedrich, Reinhard Klingel, Roswitha Mecke, Gabriele Vorbrodt

Ausstellung vom 31. Juli bis 16. August 2015


In der Ausstellungsreihe INTERIM zeigen jedes Jahr vier Künstler des Brühler Kunstvereins ihre Werke. Dieses Mal präsentieren Gabriele Vorbrodt, Reinhard Klingel, Karin Friedrich und Roswitha Mecke in der Alten Schlosserei des Marienhospitals in Brühl Malerei und Fotografie.

Zu den Künstlern:

Gabriele Vorbrodt

Die Dipl.-Kunsttherapeutin Gabriele Vorbrodt leitet seit 10 Jahren das "Offene Atelier Brühl". Ihre derzeitigen Arbeiten erinnern an abstrakte Landschaften. Dabei bedient sie sich verschiedener Materialien, die unterschiedlicher nicht sein können, feine Oberflächenstrukturen und monochromfarbene Übergänge und Brüche wachsen zu einem komplexen Ganzen zusammen.

Weitere Infos: www.offenesatelierbruehl.de

Gabriele Vorbrodt

Gabriele Vorbrodt, aus der Serie "Feinstoffliches"

Reinhard Klingel

Ganz anders die Arbeiten, die Reinhard Klingel im Brühler Kunstverein zeigt: Er arbeitet mit dem Graphic Tablet. Aufgrund seiner Auseinandersetzung mit den Werken von Christian Rohlfs und angeregt durch die Arbeitstechniken von David Hockney entstehen mit großzügiger Strichführung lichtdurchflutete Impressionen, Landschaften voller Lichteindrücke und leuchtender Farben, welche durch Komplementär- und Simultankontraste verstärkt werden.

Weitere Infos: www.reinhard-klingel-kunst.de

Reinhard Klingel

Reinhard Klingel, Frischer Schnee, 90x120 cm

Karin Friedrich

Farbe und Natur spielen auch in den Gemälden von Karin Friedrich eine wichtige Rolle, die in Schwäbisch-Gemünd Visuelle Kommunikation und Grafik sowie in Bochum Malerei studiert hat und als freie Malerin in Brühl arbeitet. Unterschiedlich dichte Farbflächen auf der Leinwand erzeugen ein unscharfes Bild der Natur, gegossene und gezogene Pigmente vereinen sich mit hauchdünnen Farbschichten zu Stimmungslandschaften: Im Medium der Farbe wird die Natur erfahrbar gemacht.

Weitere Infos: www.friedrich-malerei.de

Karin Friedrich

Karin Friedrich, Acryl/Lwd.

Roswitha Mecke

Die Fotografin Roswitha Mecke aus Kerpen zeigt Arbeiten aus zwei Serien: Zum einen aus schwarzen und weißen Tüchern, Licht und Farbe entstandene Nachtgestalten, die der Traum- und Fantasiewelt entspringen. Die kleinformatigen Bilder aus der Serie "Alles aus Zucker" andererseits setzen sich mit dem geliebten und gehassten Nahrungs- und Genussmittel Zucker auseinander.

Weitere Infos: www.roswitha-mecke.de

Roswitha Mecke

Roswitha Mecke, Kellerbewohner, Fotoarbeit, Serie "Familienalbum"

Einführungsrede von Andreas Richartz

KARIN FRIEDRICH

ist Mitglied im Brühler Kunstverein seit 2012.

Sie studierte Visuelle Kommunikation und Grafik in Schwäbisch Gmünd und Bochum. Seit 2001 ist sie freischaffende Künstlerin. In der INTERIM 15 zeigt Karin Friedrich Gemälde, in denen die Entdeckung der Farbe als Material das Hauptaugenmerk erhält. Mit ihren sieben Bildern stellt sie in der Jahresausstellung der Brühler Künstler-Mitglieder ein Mix-Tape ihrer Arbeitsweisen vor.

Unterschiedlich dicht aufgetragene Farbflächen geben dabei häufig ein unscharfes Bild der Natur ab. Gegossene und gezogene Pigmente vereinen sich mit hauchdünnen Farbschichten zu Stimmungslandschaften. Dabei bleibt sie in #Kiesel, 2015 mit einem satt-üppigen Farbauftrag am ehesten klassischer Naturmalerei verpflichtet. Ihr Bild #Kuppel, 2015 erinnert an barocke "Aufstiegs-Szenarien"; hier vollzieht Friedrich einen symbolischen Transfer: Sich durch das Leben mühen, bis das Licht erreicht wird.

Wie Farbe ihr als Material dient, demonstriert sie insbesondere in #Wiese, 2015 und #Florale, 2015: die ausschnitthafte Darstellungsweise verstärkt noch die Effekte, die die Bewegungen eines imaginierten Windes transportieren. In #Flow, 2015 und #Stapel, 2015 schließlich nähert sich Friedrich neuen, abstrakteren Graden ihrer Malerei, wenn vertikale Farbverläufe Brechungen betonen oder forcierte Vertrocknungen auch einmal durch den Einsatz eines Föhns gewonnen werden. Insgesamt gilt: Die Natur wird in Karin Friedrichs Bildern im Medium der Farbe erfahr- und erlebbar gemacht; ihre Wandlung in den Veränderungen der einzelnen Schichten des Auftrags.

REINHARD KLINGEL

ist Mitglied im Brühler Kunstverein seit 2012.

Er begann mit ersten Gehversuchen in Aquarell, Öl und mit der Zeichenfeder bereits vor seinem Abitur. Klingel studierte u.a. Industriedesign an der Universität Stuttgart. Seit 2009 ist er im Werkhaus der Alanus-Hochschule in Alfter zur Weiterentwicklung malerischer Techniken ein regelmäßiger Gast und seit 2010 hat er 9 Semester am Studio für Bildende Kunst an der Universität Bonn u.a. bei Ivo Ringe mit dem Schwerpunkt Landschaftsmalerei belegt.

Eine völlig andere Auffassung als bei Karin Friedrich begegnet uns in der technischen Umsetzung der Landschaftsmalerei von Reinhard Klingel. Klingel arbeitet mit dem Graphic Tablet und einer frei im Internet zugänglichen Software zur Bildbearbeitung. "Mit großzügiger Strichführung entstehen auf diese Weise lichtdurchflutete Impressionen, welche die Charakteristika der gemalten Motive hervorheben. Dabei verstärkt Klingel die Lichteindrücke durch leuchtende Farben und den gezielten Einsatz von Komplementär- und Simultankontrasten, die dem ausgestellten Ensemble seine Leuchtkraft verleihen." (Zitat: Reinhard Tetenborg) Klingels Intention ist es, mittels dieser kunsthistorisch hochaktuellen Technik - man denke etwa an David Hockneys Show im Museum Ludwig 2013, "A bigger picture" - eine intensive Herausarbeitung des Lichts zu erreichen. Dabei ist Eines ganz klar: Ohne Kenntnisse fundamentaler Gesetze und Techniken der Malerei lässt sich ein solches Programm mit dem Graphic Tablet unmöglich umsetzen. Wie Klingel kaltfarbige Hintergründe aufbaut und Tiefenwirkungen des Raumes erschafft, bis man selbst vom Bootsrand ins schillernde und vermeintlich nahe Wasser springen möchte, ist hoch erstaunlich (#Impression Siegfähre, 2014).

Dabei ist der angewandte Abstraktionsgrad hervor zu heben. Das zu prüfen gelingt, wenn der Betrachter einmal nah an eines der Bilder heran tritt: Lange Zeit erkennt man nichts. Ein Effekt, der demjenigen ähnelt, den schon impressionistische Malerei erzielte, die erst dann zu ihrer vollen Entfaltung gelangt, je weiter man von ihr entfernt steht (#Frischer Schnee, 2014). Zum Sujet sei gesagt, dass Klingel alle gewählten Motive in der unmittelbaren Nähe unserer Region entdeckt; in den Tälern und Höhen der Eifel genauso, wie in unseren nord-westlichen Ausläufern des Kottenforsts um Brühl. Reinhard Klingels Malerei ist ein genuiner Beitrag zu einer nachmodernen Landschaftsmalerei mit postmodernen Mitteln.

GABRIELE VORBRODT

ist Mitglied im Brühler Kunstverein seit 2013.

Sie studierte u.a. Kunsttherapie am IBBK Bochum von 2004 - 2010. 2006 eröffnete sie ihr "Offenes Atelier Brühl". 2007 gründete sie die Produzenten-Galerie "GALERIE Vorbrodt", in der sie bis 2008 auf der Pingsdorferstraße residierte und mehrere Ausstellungen regionaler Künstler zeigte. Ab 2008 entwickelte Gabriele Vorbrodt ihr Programm für eine Kunst im öffentlichen Raum, das fortan unter dem Namen "Rotes Sofa" überregionale Bekanntheit erlangte und welches in der Folge zu einem Label mit hohem Wiedererkennungswert der "Kunst-Nomadin" Vorbrodt wurde. Bis heute ist Gabriele Vorbrodt darum zu Recht als eine der wichtigsten Kunst-Aktivistinnen der letzten Jahre im Brühler Raum und darüber hinaus bekannt.

In der INTERIM 15 sehen wir sie in einer anderen Rolle; derjenigen als Malerin, die just einen künstlerischen Quantensprung vollzieht. Wo bis vor gut 3 Jahren gegenständliche Sujets die Leinwände beherrschten, gelten nun andere Regeln. Sie hat Pinsel und Palette zur Seite gelegt. Statt Einkäufe bei Boesner stehen heute Herumtreibungen in Baumärkten auf dem Aktionsplan. Das Ergebnis dieser Art Malerei mit Materialien, die eher einer Werkstatt von Restauratoren entstammen (Beizen, Spachtelmassen, Lösungsmittel), werden exklusiv in diesem Umfang zum ersten Mal in Brühl gezeigt.

Experimentelle Abstraktion heißt also das Gebot der Stunde. Was Vorbrodt hier besonders interessiert, ist das Freilegen der "Feinstofflichkeit" mannigfacher filigraner Strukturen in ihren 32 Multiples aus der Serie "Feinstoffliches" (#Ohne Titel, 2014), die an den Grenzen künstlerischer Beeinflussbarkeit entstehen.

Dabei geht es Vorbrodt vor allem um die achtsame Beobachtung dieses Entstehens selbst. Das Momentum, das Unwiederholbare, die Akzeptanz gegenüber der Kontingenz der chemischen Prozesse, die mitunter auch zum Misslingen führen: Dies sind die Themenfelder, die Gabriele Vorbrodt seit geraumer Zeit intensiv umtreiben. Eine Alchemistinnen-Küche der Stofflichkeit, die es aber andererseits nicht aufgibt, Natur imitieren zu wollen. Beispielhaft erleben wir dies bei den beiden #Graslandschaften, 2012, die nicht etwa gemalt, sondern in Mischtechnik geschichtet, gegossen, verrieben, gespachtelt, übermalt und mittels eines fein genutzten Faktors namens Zeit zu voller Pracht und Entfaltung gebracht wurden.

ROSWITHA MECKE

ist Mitglied im Brühler Kunstverein seit 2013.

Sie studierte künstlerische Fotografie an der FH Kunst und Design in Köln; ihren MeisterschülerInnen-Abschluss machte sie bei Prof. Arno Jansen 1982. Seit 1990 ist sie freischaffende Fotografin.

Viele Ausstellungen zwischen München und Bremen, in Aachen, Düsseldorf und der gesamten Rhein-Schiene schließen sich seither an. Ebenso Publikationen, von denen vor allem eine ihre Hervorhebung verdient: "Familienalbum", ein wunderbar traumwandlerisches Buch, aus dem für die INTERIM 15 drei Bildbeispiele ihren Weg in die "Alte Schlosserei" gefunden haben.

Dabei wollte Mecke eigentlich Malerin werden. Doch als ihr Freund ihr eines Tages eine Kamera in die Hand drückte, war sie sofort infiziert. Und wenn wir auf das Ergebnis ihrer artifiziellen Inszenierungen blicken, liegt der Gedanke nicht fern, dass sie in gewisser Hinsicht auch eine Malerin geworden ist; eben eine mit Kamera und Objektiv.

Ihr auf der INTERIM 15 gezeigtes Triptychon aus der Serie #Familienalbum (#Späte Liebe, #Kellerbewohner, #Dschungelfreunde, alle 2013), lässt an eine im digitalen Zeitalter der Massen-Fotografie aus der Mode gekommene Aufbewahrung redundanter Schnappschüsse aus z.B. Urlauben denken. Und in der Tat: Gedacht hat Mecke wirklich daran. Mit dem Unterschied, dass ihre Familien-Mitglieder aus Traum- und Phantasie-Welten entstammen, die sich ihren (Tag-)Traum-Gesichten zeigten. "Wesen aus dem Unterbewussten" (Mecke), die ihr emotional immer näher rückten. So entstand die Idee, diese Nachtgestalten zu inszenieren und im wahrsten Sinne des Wortes fest zu halten. Distanznahme durch künstlerische Bannung, nicht Verbannung. Durch Nutzung des Leinwand-Pigmentdrucks schafft sie nebenbei einen ironischen Kommentar zu hyperrealistischen Fotorealismus-Tendenzen in der zeitgenössischen Malerei. Und was bei Richter - wie bei misslungen wirkenden Fotografien - seine Verwaschungen, das Unfokussierte eines Fotos assoziieren lässt, gerät bei Mecke durch die Wahl der Leinwand als Bildträger zu einem malerischen Gestus ihrer Fotografie.

In ihren vier Triptycha der Serie #Alles aus Zucker von 2015 schließlich steht das humorig-ironische Spiel mit einer inflationären Ernährungsratgeber-Industrie: Arcimboldosche Fruchtgummi-Fratzen stehen neben kopulierenden Marzipan-Schweinchen, Gift-Hinweis-Wesen aus Wackelpeter und alpinen Zuckerlandschaften. Mit beiden auf der INTERIM 15 gezeigten Werk-Auswahl-Serien beweist Mecke, die - und das sei mitnichten nebenbei bemerkt - auch eine hervorragende Dokumentaristin mit der Kamera ist, nicht zuletzt ihr hohes Verständnis und ihre Kenntnis der kunsthistorischen Tradition.

© by Andreas Richarz (M.A.) for phenomenon_corporation / 07-2015





INTERIM 15

Teilnehmer Interim 15

Teilnehmer Interim 15:
Karin Friedrich und Roswitha Mecke (hinten),
Reinhard Klingel und Gabriele Vorbrodt (vorn)

Bilder von der Eröffnung

INTERIM 15
Großer Besucherandrang herrschte bei der Eröffnung der INTERIM 15

INTERIM 15
Vorsitzende Gaby Zimmermann eröffnete die Austellung, Andreas Richartz gab Erläuterungen zu den teilnehmenden Künstlern

INTERIM 15
Die vier INTERIMler: Karin Friedrich, Reinhard Klingel, Roswitha Mecke und Gabriele Vorbrodt (v.l.)

INTERIM 15
Yasliet Ramirez und Norman Peplow unterhielten die Gäste bis in den späten Abend

INTERIM 15
Ausgelassene Stimmung: Einige schwangen sogar das Tanzbein

INTERIM 15


Bilder: G.M.Wagner